Liebe mit Offenen Augen

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Verliebt sein 55 Beim verliebt sein …
Inneres Kind 67 Wenn wir so …
Historie Beziehungen 77 In den traditionellen …
Anfang der Beziehungsprobleme: Die Gegensätze 80 Fredy, …
Männer & Frauen 85 Bei den Paaren …
Abschied von der Illusion 96 Hallo Fredy,…
Lebenswertes Leben 103 Viele Ängste und Depressionen …
Held seines Lebens 104 Komplette Seite
Die intime & lebendige Beziehung 115 Nie zuvor haben intime …
Männer & Frauen / Ein Beispiel 131 Es kommt jedoch auch vor …
Mann Sein 137 Freddy, …
Mann Sein 138 In der letzten Sitzung …
Mann Sein 139 Wenn die Männer spüren, …
Identität & Beziehung 152 Lieber Fredy, …
Beziehung als Falle 154 Wir suchen die Intensität …
Beziehung als Falle 154&155 Was tun wir nicht alles, …
Die Leere / Problem des Verstandes 159 Der Verstand kann die Leere …
Voraussetzung für die Liebe 163 Laura, …
Kurzfassung Verliebtheit 167 Im Zustand des Verliebtseins …
Liebesunfähigkeit der Gesellschaft 170 Lieber Fredy, …
Loslassen in der Beziehung 173 Man sollte mehr daran …
Arbeitsprogram 186
    1. Unsere Liebesfähigkeit entwickeln
Lösung für die Unterschiede 201&202 Manche Zwistigkeiten sind …
Männliche & Weibliche Sicht 205 Die männliche Sicht hat mit …
Mann & Frau – Kommunikation 207 Wie können zwei Personen …
Beginn der Liebe 208 Die Herausforderung …
YoYo Beziehung 210 * Im Spanischen …
Paradox der Liebe 220 Ich würde es als die …
Erster Schritt 239 In solchen Situationen …
Die Leere / Das innere schwarze Loch 255 Also müssen wir die Fähigkeit …

 

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17 Wenn sich Menschen mit Beziehungsschwierigkeiten konfrontiert sehen, neigen sie dazu, diese ihrem Partner, ihrer Partnerin anzulasten.
18 Viele Paare trennen sich schließlich, weil sie glauben, dass es mit einer anderen Person anders wäre; selbstverständlich finden sie sich später in ganz ähnlichen Situationen wieder – einzig und allein der Gesprächspartner hat gewechselt.
18 Eine intime Beziehung ohne Konflikt gibt es nicht.
18 Der Ausweg besteht darin, die Phantasie vom idealen Paar, das keine Konflikte kennt und unentwegt verliebt ist, ad acta zu legen. Es ist verblüffend, wie sehr die Leute diesem Ideal nachhängen.
18 Der einzige Irrtum liegt in der klischeehaften Vorstellung von der Ehe, der Vorstellung vom perfekten Paar.
21 Immer wollen alle bloß über den anderen reden.
28 Das Konzept lautet also: Ich muß mein eigenes Leben meistern, ohne die Erwartung, dass jemand dies für mich erledigt. Das bedeutet aber auch: Ich sollte nicht versuchen, das Leben eines anderen zu meistern, sondern das Zusammensein mit dem anderen als ein gemeinsames Projekt begreifen, das dazu dient, dass es uns gutgeht, wir aneinander wachsen, uns miteinander vergnügen – aber nicht dazu, dass der andere meine Schwierigkeiten beseitigt.
30 Damit unsere Beziehungen gedeihen, müssen wir sie anders sehen: als eine Reihe von Möglichkeiten, unser Bewußtsein zu erweitern, eine tiefere Wahrheit zu entdecken und in einem vollständigeren Sinn menschlicher zu werden.
32 Erst wenn der Schüler bereit ist erscheint der Meister — Buddhistisches Sprichwort
41 Der einzige Spiegel, in dem wir uns möglicherweise erkennen können, ist der andere. Der Blick des anderen zeigt mir, was meine Augen nicht sehen.
42 Wenn ich dir dauernd deine Fehler nachweise, wenn ich mein Leben darauf ausrichte, dir zu zeigen, wie du hättest handeln sollen, wenn ich dich unablässig darauf hinweise, wie man die Dinge richtig handhabt, damit erreiche ich bestenfalls, dass du dir wie ein Idiot vorkommst, oder schlimmer, dass noch schlimmer, dass du bei mir bleibst und mich verabscheust.
43 Ich sollte also die Konflikte nutzen, um meine Empfindungen zu ergründen und Worte für sie zu finden. Der Leitgedanke dieser Therapie besteht darin, zwei Menschen, die sich eingeigelt haben, dabei behilflich zu sein, sich wieder öffnen zu können.
44 So gesehen sind Konflikte eine Möglichkeit, mich selbst zu entdecken, kennenzulernen, sensibel dafür zu werden, was in mir vorgeht – also aus ihnen zu lernen.
44 In der Regel führen die meisten dieser Schuldzuweisungen zu gar nichts und der verbleibende Rest … Höchstens dazu, dass endgültig alles zerstört wird.
44 Es gilt die Verantwortung für das eigene Leben zurück zu gewinnen.
44 Derjenige von den beiden, der sich darein verbeißt, der andere sei der Schuldige und er das Opfer, wird sich nicht weiterentwickeln, bleibt festgefahren und blockieren jegliche Veränderung in der Beziehung.
45 Ein Leben ohne Konflikte ist weder wahrscheinlich noch wünschenswert; vielmehr sollten wir lernen, jede Schwierigkeit, der wir begegnen, zum Anlass zu nehmen, uns intensiver mit ihr zu befassen und so nicht nur tieferen Zugang zu unserem Partner, sondern auch zu unserem eigenen Selbst zu erlangen.
45 Achtzig Prozent unserer Weltwahrnehmungen sind reine Projektionen … Und der größte Teil der übrigen 20 Prozent ebenfalls — Fritz Perls
47 Wenn mich eine Eigenschaft am anderen stört, bedeutet das fast immer, daß mich ebendieselbe in Wirklichkeit an mir selbst stört. Sie würde mir nicht am anderen bitter aufstoßen, gäbe es bei mir keinen inneren Konflikt.
50 Vielleicht beruht die Erwartung von unmittelbarem Glück, die wir normalerweise an die Paarbeziehung stellen – jener Wunsch nach dauerhaftem Hochgefühl – auf einer trügerischen Verallgemeinerung des flüchtigen Moments von Verliebtheit.
51 Dieser Zustand (Verliebtheit) hält zwar nicht lange an, bleibt aber als ein wesentlicher Pfeiler in der Beziehung ins Gedächtnis eingeschrieben und kann von Zeit zu Zeit neu belebt werden. Nach einigen Monaten nimmt die Realität uns wieder gefangen und die Sache findet ein Ende, oder es beginnt die Ausgestaltung eines gemeinsamen Weges.
51 Die Gestaltung der Liebe beginnt, wenn ich denjenigen, den ich vor mir habe, zu erkennen vermag, wenn ich den anderen entdecke. Genau da tritt die Liebe an die Stelle der Verliebtheit.
51 Jemanden zu lieben meint die Herausforderung, jene Projektionen aufzulösen, um mich mit dem anderen wahrhaft zu verbinden.
52 Liebe meint, dass “uns das Wohlbefinden des anderen wichtig ist”. Nicht mehr und nicht weniger. Liebe als ein Wohlbefinden, das Körper und Seele übereinkommt und sich ausbreitet, sobald ich den anderen sehen kann, ohne ihn ändern zu wollen.
52 Gleichwohl muss man wissen, dass einen Weggefährten zu finden nicht ausreicht; diese Person muss uns auch hätscheln und uns auf unserem individuellen Werdegang eine hilfreiche Stütze sein können.
52 Liebe ist das Werk zweier Individuen und der ihr eigene chemische Prozess bewirkt, dass wir uns anders fühlen – vielleicht dank der wundervollen Empfindungen, von jemanden völlig akzeptiert zu werden.
53 Verliebtsein ist eine Beziehung zu mir selbst, auch wenn ich mir dafür eine bestimmte Person als Projektionsfläche für meine Empfindungen ausgesucht habe. Dementsprechend können wir uns Fragen.
53 Die Alternative, die sich hier auftut, lautet: Kann ich jenen, den ich vor mir sehe, lieben, oder halte ich an meinem Idealmann fest? Liebe entsteht, sobald sich diese Dilemma sich auflöst –  sobald ich den anderen sehe und mir darüber im klaren werde, dass ich ihn liebe, wie er ist. Dies schließt sogar ein, daß ich Eigentschaften zu lieben beginne, die mir sonst nicht gefallen, die ich aber ihm zuschreibe und an ihm akzeptiere.
54 Bewusstsein ist das Zauberwort. Seien wir uns dessen bewusst, wie es uns geht und befassen wir uns damit. So gestaltet man die Beziehung und pflegt sie.
57 Das Verliebtsein ist kein geteiltes Gefühl, denn es existiert noch nicht einmal das Subjekt, mit dem man teilen könnte. Das Verliebtsein ist eine willkürliche und schier unvermeidliche Verrücktheit, fachlich gesprochen: ein Zustand wahnhafter Verschmelzung mit manischer Überspanntheit.
63 Die erste These lautet, dass Paarprobleme aus individuellen Problemen resultieren, die in der Beziehung zum Ausdruck kommen. Und diese Probleme tauchen nur in der Liebesbeziehung auf, da in dem Moment, in dem man mit dem anderen zusammen ist, plötzlich Eigenschaften ans Tageslicht treten, die sich zuvor im Dunklen verbargen.
63 Ich projiziere auf den anderen jene Anteile von mir, die ich am stärksten in mir ablehne.
65 Es kann Spaß machen, mich und die anderen zu entdecken; es ist eine Herausforderung, die Konflikte als eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung zu begreifen. Eine Schwierigkeit dabei ist die Projektion, die andere das Sich-Gewahr werden, was wir wirklich benötigen.
66 Denn unseligerweise offenbaren sich gerade in unserer Beziehungsgegenwart, in unseren Reaktionen auf den anderen, jene Ärgernisse und Schmerzen die wir in der Vergangenheit nicht haben überwinden können.
67 Manche dieser Wunden kann man unmöglich alleine aufspüren. Wir brauchen jemanden an unserer Seite, einen Beziehungspartner, in dessen Beisein sie aufbrechen, der ihnen zugliech aber auch eine Berechtigung erteilt – der uns all dies Unangenehme zu fühlen erlaubt und daran teilhat, ohne uns zu entwerten.
69 Oft können Erwachsene keine Einigung erzielen, weil in Wirklichkeit ein jeder seinem verletzten Kind Ausdruck verleiht; ein jeder durchlebt eine Szene aus seiner Kindheit und verlangt von seiner Mutter oder seinem Vater unterschiedliche Dinge und der andere kann sie ihm nicht geben, weil er selbst nach dem für ihn Nötigen verlangt.
69 Wir müssen lernen, von jeder Schwierigkeit, die uns auf unserem Weg begegnet, zu profitieren, um tieferen Zugang nicht nur zu unserem Partner, sondern auch zu unserer eigenen conditio humana zu erhalten. — Westwood
80 Paare trennen sich aus dem gleichen Grund aus dem sie sich zusammen tun.
82 Die Partner spiegeln einander die jeweils negierten Anteile wider. Und ich sollte mich darum bemühen , diese in mir weiterzuentwicklen, weil ich weiß, dass ich mich andernfalls aus dem gleichen Grund trennen werde , aus dem ich mich mit dem anderen vereint habe. Darin liegt die Herausforderung in der Paarbeziehung.
83 Es scheint so, als trügen dieselben Elemente, die die Stabilität und Harmonie des Paares ausmachen, auch zu seiner Zerstörung bei — Adriana
83 Jede Beziehung, die nicht auf die Entfaltung des Ich setzt, sondern dessen Wachstum verhindern, trägt – auch wenn sie stabil und zufriedenstellend zu sein scheint – den Keim zur eigenen Zerstörung in sich.
85 Wie kann man den Rhythmus des anderen akzeptieren?
96 Man muss sich von seinen Illusionen verabschieden, um denjenigen zu erkennen, den wir vor uns haben.
101 Wenn du möchtest, dass deine Träume Wirklichkeit werden, musst du aufwachen. — Ambrose Bierce
103 Viele Ängste und Depressionen schulden sich der Tatsache, dass wir eine fixe Vorstellung davon haben, wo wir hinwollen und wenn der Plan nicht aufgeht, sind wir frustriert. Wenn du dich nicht so verhältst, wie ich es erwarte, mag ich Dich nicht. Aber das kann es nicht sein.
103 Die Wellen zeichnen meinen Weg vor, nicht meine Vorstellung, wo ich anlangen möchte. Es ist besser, den Weg entlang der Steine zu entdecken, auf die wir laufend stoßen.
104 Wir können unser Leben so leben, als seien wir U Bahn Lokführer, der genau weiß, wohin die Fahrt geht und wie die Wegstrecke beschaffen ist; oder wie ein Wellenreiter, der der Welle folgt.
115 Nie zuvor haben initime Beziehungen dazu herausgefordert, uns mit solcher Ehrlichkeit und Bewußtheit selbst anzuschaun. Eine lebendige Beziehung zu einem intimen Partner aufrechtzuerhalten verlangt heute von uns, dass wir uns von alten Gewohnheiten verabschieden und die ganze Vielfalt unserer Kräfte, unsere Empfindsamkeiten und inneren Tiefen als Mensch entwickeln.
121 Wenn wir als Kinder feststellen, dass unsere Eltern negativ reagieren, sobald wir mehr  Zuneigung, mehr emotionalen Halt oder Präsenz von ihnen fordern, lernen wir, unsere Bedürfnisse zu verstecken. Vielleicht können sie uns nicht geben, was wir brauchen – weil sie über die entsprechende Fähigkeit einfach nicht verfügen, auch für sich selbst nicht.
124 Wir sind verletztlich, aber nicht schwach. Viele von uns sind sich dessen jedoch nicht bewusst.
124 Intimität lässt sich nicht auf der Grundlage von Strategien herstellen. Sie verhindern das Fühlen. Eventuell können wir dank ihrer unsere Ziele erreichen: uns daran vergnügen, anderen zu beherrschen oder zu erobern, oder ihn zumindest auf uns aufmerksam zu machen. Mit der wahrhaften Begegnung, mit Intimität und Liebe, hat dies jedoch nichts zu tun.
133 Beziehung, dessen grundlegende Bedeutung >die Fähigkeit, sich neu zu begegnen< lautet.
134 Man kann sich eine Zeitlang voneinander trennen, ohne dass man aufhört, einander von ganzem Herzen zu lieben.
138 Viele Männer ordnen sich aus Angst den Frauen unter und ziehen sich dann emotional zurück.
139 Wenn die Männer spüren, dass sie mit einer Frau nicht zurechtkommen, flüchten sie, ziehen sich emotional oder physisch zurück und brechen den Kontakt zu ihr ab. Dies verletzt, sie wird daher fordender und beschwert sich, woraufhin der Mann sich noch mehr entzieht – ein Teufelskreis, in dem sich die beiden immer weiter voneinander entfernen.
145 Ich denke wir müssen uns in jedem Moment selbst erkunden, indem wir uns beobachten. Das heißt: Wir sollen nicht darauf hoffen, dass wir oder unser Partner gleich bleiben, sondern statt dessen akzeptieren, dass die Person an unserer Seite uns jeden Augenblick verblüffen kann und umgekehrt – eben weil wir sehr unterschiedliche Seiten haben können.
145 Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass die Identität etwas ist, was wir erfunden haben und worunter wir leiden.
153 Die Erfindung einer vermeintlichen liebenswerten Identität basiert also auf der Annahme, dass wir das eigene wirkliche Wesen für nicht der Liebe erachten.
154 Dennoch gilt es die Angst des vor des Sich-Ausliefern zu verlieren. Sicher ist dies ein langer und schwieriger Weg, letztlich jedoch ist es der Weg des Lebens.
154 Ich finde die Angst vor dem Sich-Ausliefern unsäglich. Was tun wir nicht alles, um Begegnungen zu vermeiden? Wir zetteln Streitigkeiten an, schaffen Distanz und führen uns und andere an der Nase herum.
156 So frage ich mich, wir in einem Moment eine Person sehen und ablehnen können und dennoch uns wenige Augenblicke später, bei verändertem Blickwinkel, dabei ertappen, sie zu lieben. Das hängt mit der vermeintlichen Identität zusammen. Und mit der Paradoxie der Liebesbeziehungen: Ständig sind wir jemand anders und der andere … Ist ebenfalls jemand anders.
156 Wenn du weißt, wie du mit deinem Ehemann oder deiner Ehefrau Umgang pflegst, bist du nicht wirklich verheiratet, sondern wendest lediglich Psychologie an. Sobald eine Beziehung real ist, wächst und wächst sie von Augenblick zu Augenblick.
157 Die Persönlichkeit identifiziert sich nur mit einem Teil unseres Wesens, schreibt diesem aber dem Wert der Totalität zu. Wir müssen jedoch begreifen, dass das Wesen uns ausmacht und nicht nur die Haltung, mit der wir uns identifizieren.
158 Liebe zu geben und Liebe zu empfangen wird jedoch zu einer höchst beschwerlichen Aufgabe, solange ich nicht entschlossen bin, mich aus meinen alten Strukturen herauszuwinden.
159 Manchmal mögen die Grenzlinien zwischen der Struktur und der Essenz nicht so starr verlaufen, dennoch bleiben sie von Bedeutung. Die Struktur basiert auf der Vergangenheit, die Essenz auf der Gegenwart. Die Struktur ist reaktiv; sie hängt mit dem Wunsch zusammen, >>etwas aus sich zu machen<<, mit der Anstrengung; sie hält ständig Ausschau nach etwas, das sie begehrt, was sie braucht, sie ist stets gierig und unerfüllt; ihr Blick richtet sich nach außen. Die Essenz hingegen kennt keine Anstrengung, ist nicht aufs Handeln ausgerichtet, braucht nichts, ist satt, ruht in sich selbst.
159 Welwood ermuntert uns dazu, die Idee des strukturierten Ichs zu verabschieden und mit der Leere in Kontakt zu treten, statt uns zwanghaft mit einer falschen Identität vollzustopfen. Jedoch wird diese Gefühl der Leere als eine große Bedrohung unserer Struktur erlebt. Im Grunde ist jeder Identitätsentwurf eine dagegen gerichtete Verteitigungsstrategie.
159 Unser Verstand kann die Leere buchstäblioch nicht fassen und erfindet deshalb Geschichten über sie, als handle es sich um ein schwarzes Loch. Das Ich errichtet eine Schranke, jenseits deren uns alles als zu gefährlich erscheint. Das strukturierte Ich münzt dieses ängstliche Verhalten in eine Lebensnotwendigkeit um und erreicht damit, dass das Leben stets nur um Belohnungen kreist, die vermeintlich von der Leere ausgeht.
159 Ich glaube wir wären wesentlich lebendiger, würden wir den Gedanken wagen, dass wir nicht unabhängig wissen müssen, wer wir sind, geschweige denn uns exakt und detailliert ständig dessen versichern müssen, was man von uns erwartet.
160 Diese Vorstellungen können uns dabei helfen, in der Paarbeziehung zu leben, denn sie erlauben uns, alte Fesseln zu lockern, und befreien vor allem auch unserer Reisegefährten von ihren eigenen individuellen Konditionierungen.
163 Ortega y Gasser sagt, für die Liebe bedürfe es verschiedene Voraussetzungen. Da wäre als erstes die Wahrnehmung, die Fähigkeit, den anderen zu sehen, die Kraft, sich für eine andere Person zu interessieren, und nicht nur für sich selbst.
163 Wie du mir beigebracht hast, kann man nur mit jemanden zusammensein, ihn lieben und lustvoll ergründen, wenn man ihn akzeptiert, wie er ist.
170 Du zweifelst zu Recht die Liebesfähigkeit der Leute an, obgleich ich in jedem Fall dahinter eher die individuelle Unsicherheit und das von ihr ausgehende Bedürfnis nach Gewissheit, Sicherheit und Kontrolle sehen würde. Leider sehen wir im Stadium der Verunsicherung zumeist kein anderes Mittel mehr als Streit um die Macht und das Ausagieren der Eifersucht.
172 Warum sollten wir nicht an unserem pathologischen Bedürfnis, den anderen in Besitz zu nehmen, arbeiten, statt immer kunstvollere Methoden zu entwickeln, wie ich meinen Partner kontrollieren kann? Wieso sollte ich nicht von meiner krankhaften Eifersucht geheilt werden, anstatt dich ständig mit der Ausrede zu verfolgen, wie weh es mir täte, wenn ich dich verlöre?
173 Ich denke, dass im Sinne beider Individuen eines Paares spreche, wenn ich behaupte, dass Eifersucht immer, immer! ein neurotisches Symptom und Ausdruck unserer finstersten Eigenschaften ist.
173 Eifersucht: unnötige Besorgnis um etwas, das man nur verlieren kann, wenn es sich sowieso nicht lohnt, es zu halten. — Des Teufels Wörterbuch / Ambrose Bierce
173 Man sollte mehr daran arbeiten, die Beziehung zu der geliebten Person nach den eigenen Wünschen auszugestalten, statt ihre sonstigen Beziehungen zu kontrollieren und zu verbieten.
173 Zudem muss man lernen, loslassen zu können. Ich bin der festen Überzeugung, dass man denjenigen Kontra geben muss, die behaupten, man müsse hartnäckig an der Beziehung festhalten. Beziehungen haben so lange Bestand, wie sie eben dauern, das heißt, solange beide Individuen sich darin entfalten können: manche ein paar Wochen, andere ein ganzes Leben lang.
173 Nur wenn man stets bereit ist eine Beziehung loszulassen, kann man eine Beziehung immer wieder erneuern.
195 Manchmal aber auch brachte Laura das mit einer Eigenart zusammen, die sie an vielen ihrer männlichen Patienten beobachtet hatte: Der Drang, sich bestimmte Räume der Unabhängigkeit zu bewahren, erzeugte eine neue Art von Abhängigkeit.
201 Manche Zwistigkeiten sind unauflösbar und müssen hingenommen werden. Man kann seine Gefährten lieben und respektieren und gleichzeitig die Tatsache akzeptieren, dass sich nicht alle Probleme aus der Welt schaffen lassen. — Joseph C Zinker
202 Die Intelligenz eines Paares zeigt sich darin, inwieweit es das Vorhandene genießt und nicht über die Durchsetzung von Unmöglichen streitet. Diese Haltung entspricht, nebenbei gesagt, in etwas meiner Vorstellung von einer besseren Liebe.
206 So wie eine Paarbeziehung zwischen zwei menschlichen Wesen existiert, so gibt es auch eine innere Paarbeziehung zwischen den femininen und maskulinen Anteilen einer Persönlichkeit. — Norberto Levy
207 Wie können zwei Personen miteinander harmonieren, die in so unterschiedlichen Welten leben? Wie können ein Mann und eine Frau miteinander kommunizieren, wenn sie doch auf verschiedenen Frequenzen senden und empfangen? Antwort: Nur dann wenn sie von der Vorstellung abrücken, es gäbe einen einzigen Standpunkt. — John Gray
208 Liebe beginnt erst dann, wenn ich dem anderen wahrhaftig entdecke, wenn dies nicht eine bloße Idee bleibt, sondern wenn ich mit jemanden Neuem konfrontiert bin, der mich mit seiner Originalität überrascht. Da fängt Liebe an: mit der Überraschung, mit der Entdeckung.
214 Wenn wir uns hinter Masken verstecken, können wir mit niemanden in Kontakt treten, denn niemand kann mit einer fiktiven Person Verbindung aufnehmen.
214 Zwar wissen viele nicht, was in ihnen vorgeht, gleichwohl haben sie fast immer eine schlüssige Erklärung für ihr Leiden zur Hand, einen Leitfaden, der alles rechtfertigt, in Wirklichkeit aber nichts mit ihrem tatsächlichen Schmerz zu tun hat. Wie kann jemand mich verstehen oder gar mir helfen, solange ich mich selbst darüber hinwegtäusche, was mir weh tut oder was ich brauche?
217 Nicht zu erkennen, was auf einen zukommt, weil es nicht so aussieht, wie man es sich vorgestellt hatte – der Gedanke an diese Gefahr liess sie nicht los.
220 Jede intime Beziehung in der wir uns öffnen, einander begegnen und uns hingeben können, gehört zu den erfreulichsten Dingen, die wir im Leben erfahren. In ihr suchen wir Kontakt, Liebe und Nähe, deshalb bereichern uns diese Situation am meisten, geben uns das Gefühl von Lebendigkeit, Kraft und Lebensfreude.
Die Paradoxie besteht darin, dass ebendiese Beziehungen, mehr als alle anderen, uns zugleich das größte Leid und den größten Schmerz bereiten. Wenn wir uns der Intimität, der Liebe, der Begegnung hingeben, setzen wir uns damit auch dem leid und dem Schmerz aus.
220 Die Kraft, die uns naturgemäß antreibt, uns unserem Emotionen zu überlassen und Begegnungen herbeizuführen, gerät in Konflikt mit der natürlichen Neigung, uns vor dem Leiden zu schützen, da wir uns intuitiv dessen sicher sind, dass die Hingabe an eine Person die Möglichkeit, verwundet zu werden, nach sich zieht.
220 Paradox der Liebe oder der Schmerz der verpassten Begegnung / Das reale Paar kann das Leiden nicht umgehen. Man wird sich dessen bewusst und bleibt allein, bis der ideale Partner auftaucht (der definitionsgemäß gar nicht existieren kann). Mit ihm jedoch ist das Leiden keineswegs beseitigt, sondern stellt sich erneut ein.
221 Wir alle verfügen über eine Persönlichkeit, einen Panzer, der nicht das Risiko eingehen möchte verletzt zu werden und sich deshalb verschließt. Das Kind bedarf der Liebe der Eltern und wird sich deshalb daran ausrichten, wofür es diese Liebe hält. Erlebe ich, dass man mir mehr Aufmerksamkeit schenkt, wenn ich schwach bin, werde ich eine Persönlichkeit ausbilden, in deren Zentrum schwäche steht.
221 Der Persönlichkeit, die wir entwickelt haben, verdanken wir, dass wir funktionieren und gemocht werden. Wir schaffen uns eine Maske und identifizieren uns mit ihr. Darüber vergessen wir, wer wir eigentlich sind und was wir wahrhaftig wollen. Liebe und
221 Intimität können nur dann entstehen, wenn wir uns als ein gegenwärtiges Wesen jemand anderen gegenüber zeigen. In voller Rüstung und in unserer Burg verschanzt ist das jedoch nicht möglich.
221 Es kann aber nicht darum gehen, diese Persönlichkeit zu verwerfen; wir haben sie uns geschaffen, um den Fährnissen des Lebens zu begegnen zu können. Wir müssen sie jedoch beobachten, kennen und auf der Hut sein, wenn sie uns an wahrhaftigen Kontakt hindern will.
222 Der einzige Weg, diese Hindernisse zu überwinden, besteht- das gilt es zu lernen – darin, sie zu ergründen, statt sie zu negieren oder auf unseren Gefährten zu projezieren.
223 Problematisch wird es, wenn wir uns mit unserem Panzer identifizieren und damit sicher fühlen. Wir wehren unbehagliche Gefühle ab, indem wir lernen, nichts zu spüren und uns von unseren Bedürfnissen abzukoppeln; die Abwehrstrategien verwandeln sich dann in eine Identität, die uns von unserern Gefühlen trennt und daran hindert zu lieben.
223 Die Paarprobleme beginnen dann, wenn wir nicht mehr anwesend sind – für uns selbst wie für den anderen – wenn wir beginnen, uns hinter festgelegten Rollen zu verstecken, uns abschirmen; wenn wir die Entfernung des anderen, die häufig nur die Projektion unserer eigenen Entfernung ist, als schmerzlich empfinden.
224 Uns zu öffnen und darauf vertrauen, dass uns der andere so wie wir sind annimmt, ist eine Haltung, die uns zur Liebe führt. Ich muss mich nicht maskieren, damit du mich liebst. Tue ich es dennoch, werde ich niemals in Erfahrung bringen, ob du fähig bist, mein wahres, verwundbares, schwaches oder wie auch immer geratenes Ich zu lieben.

Ich binde dich statt dessen an das Bild, das mir jene oktroyierten, die mir während meiner Erziehung weismachten, ich müsse, um geliebt zu werden, so oder so sein.

224 Sich zu zeigen ist nicht einfach; es macht uns beispielsweise Angst, wenn uns andere für verletzlich halten. Wenn ich aber verletzlich bin (und dies ist selbstverständlicher Weise immer der Fall), dann müssen du und ich diese Verletzlichkeit akzeptieren, um präsent und hingebungsvoll sein zu können.
225 Die Schwierigkeit in der Paarbeziehung besteht darin, dass es sehr weh tut, wenn der eine sich öffnet und der andere sich verschließt. Aus diesem Grund erzeugt sie soviel Leid.
226 Jedes Paar hat Probleme, ungelöste Angelegenheiten. Eine rein pragmatische Lösung führt zu nichts, da sich sonst immer wieder nur neue Problemfelder auftun. Vielmehr müssen wir uns von der Oberfläche des besonderen Problems lösen und es unter einer anderen Perspektive betrachten, ohne uns einzig mit unserer Seite zu identifizieren.
226 Diese neue Sichtweise einzunehmen fällt uns schwer, weil sie einer grundlegenden Überzeugung unserer Kultur zuwiderläuft, die glaubt, durch äußere technische Veränderungen alles in den Griff zu bekommen.
229 Es muss sich – anders kann ich mir es gar nicht vorstellen – bei Dir um eine Art Geiz handeln, wenn Du Dich selbst vom Markt nehmen willst.
229 Mit geschlossenen Augen zu lieben bedeutet wie ein Blinder zu lieben. Mit offenen Augen zu lieben bedeutet wie ein Verrückter zu lieben. Heißt leidenschaftlich hinzunehmen: Ich liebe dich wie eine Verrückte.
238 Findest du nicht auch erstaunlich, wie jemand sich mit einer anderen Person vereint oder von ihr trennt, leidet oder sich vom anderen entfernt, ohne sich über die Gründe im klaren zu sein?
238 Jeder verfügt über eine ganze Menge neurotischer Konditionierungen, die er in den Beziehungen zu anderen unterzubringen versucht. Die Märchen, die jeder für sich einfordert, wären nicht so schlimm, würden sie sich nicht am Ende in sich selbst erfüllende Prophezeiungen verwandeln und so schließlich Realität werden.
239 In der Paarbeziehung schreibt jeder an seinem eigenen Drehbuch, das seine Wahrnehmung des anderen vorzeichnet und womit er sich des anderen bemächtigt. Jeder weißt dem Gegenüber eine Rolle in der eigenen Geschichte zu, und so schaffen wir sich beide eine verzerrte Realität.
240 Weder bedeutet Liebe, dass ich genauso denke wie du, noch, dass ich dich mehr mag als mich selbst. Vielmehr muss man den anderen respektieren als den, der er ist. — Liebe mit offenen Augen
240 Wir sollten herausstreichen, wie wundervoll diese Gefühl ist, als Mensch mit all seinen Eigenheiten angenommen zu werden: Es geht mit einem Gefühl von Freiheit einher, erzeugt Antriebskraft, die uns hilft, über uns hinaus zu wachsen. Deshalb müssen wir daran arbeiten, unseren Gefährten als solchen, in seiner Totalität, zu akzeptieren und seinen Zugang zur Welt wie seine Wesensart zu respektieren.
246 Häufig jedoch sind sich die Menschen ihrer Gefühle nicht bewusst. Wie können sie dann vorgeben, sie handelten vernünftig, wenn sie sich ihren Gefühlen überlassen?
252 Die romantische Liebe ist tot. Wenn wir heute von Liebe reden, müssen wir definieren, was wir darunter verstehen.
252 Liebe geht Hand in Hand mit der Entscheidung, den anderen einzulassen, meine Abwehr aufzubauen, mein Misstrauen abzulegen, mutig meine starren Vorstellungen dem anderen zu liebe hinter mir zu lassen und dann zu entdecken, wie er sich bewegt, verhält und denkt – ohne ihn auf meine Ansichten und Verhaltensweisen festnageln zu wollen. Und ebenso gehört dazu, dass ich mich nicht dazu zwinge, so zu sein, wie er mich meinen Vermutungen nach gern hätte.
253 Liebe ereignet sich. Um jedoch dieses Erlebnis erleben zu können, müssen wir Vorurteile ablegen, die uns hinderlich sind, Vorurteile, die mit der kulturellen Definition des “Paares” zusammenhängt.
254 Wir haben gelernt uns an jenen von uns verabscheuten Orten aufzuhalten; uns wurde lediglich beigebracht, wie wir solchen Situationen entkommen können, statt uns ihnen zu stellen.
256 Die Liebe wie wir uns sie vorstellen, entsteht zwischen zwei vollständigen Wesen, die einander begegnen, nicht zwischen zwei Hälften, die sich brauchen, um sich vollständig zu fühlen.